Jannik Rau als Speaker bei Proof of Progress in Berlin
Wie können Unternehmen Nachhaltigkeitsdaten nutzen, um Energie zu sparen, Risiken zu reduzieren und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken? Über diese Frage sprach Jannik Rau, Geschäftsführer der RAU GmbH, bei der Veranstaltung „Proof of Progress“ von Climate & Company in Berlin.
Balingen-Frommern – Am 14. September 2026 kamen in der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Finanzwesen zusammen, um über die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungsketten zu sprechen. Im Mittelpunkt standen Unternehmen, die Nachhaltigkeitsziele nicht nur formulieren, sondern in konkrete Maßnahmen und Entscheidungen übersetzen.
Jannik Rau war als Speaker an der Session „Sharing the Success Stories of Sustainability Frontrunners“ beteiligt. Dabei ging es um die Frage, wie ein produzierender Mittelständler seine Abhängigkeit von externen Energiepreisen und anderen Einflussfaktoren reduzieren und gleichzeitig resilienter und nachhaltiger werden kann.
Vom ersten Nachhaltigkeitsbericht zu messbaren Veränderungen
RAU beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren systematisch mit Energieverbrauch, Emissionen, Verpackung, Qualifikation und Transport. Der erste Nachhaltigkeitsbericht wurde 2024 freiwillig veröffentlicht – ohne eigene Nachhaltigkeitsabteilung und ohne externe Beratung.
Die Zahlen haben die Entscheidung getroffen – so lässt sich der Ansatz von RAU zusammenfassen. Durch eine digitale Datenerfassung und ein Live-Monitoring bis auf Maschinenebene wurde sichtbar, wo Energie verbraucht wird und an welchen Stellen Einsparpotenziale liegen.
Ein wichtiger Auslöser war der starke Anstieg der Energiepreise im Jahr 2022. Die daraus entstandenen Workshops im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung führten zu konkreten Veränderungen in Produktion, Logistik und Schichtplanung. So werden Gasbrenner in der Fertigung heute später vor Produktionsbeginn eingeschaltet, Druckluft wird gezielter eingesetzt und die Schichtplanung stärker am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet.
Auch bei der Logistik wurden Abläufe angepasst. So werden manche Produkte mittlerweile hochkant transportiert, dies erleichtert die Logistik und reduziert gleichzeitig den Verpackungsaufwand.
Energieverbrauch um 32,5 Prozent reduziert
Die Ergebnisse zeigen, dass Nachhaltigkeitsdaten bei RAU unmittelbar in unternehmerische Entscheidungen einfließen:
- Der Energieverbrauch konnte von 5,6 MWh im Jahr 2021 auf 3,7 MWh im Jahr 2025 reduziert werden. Das entspricht einer Verringerung um 32,5 Prozent.
- Die Scope-1-und Scope-2-Emissionen wurden insgesamt um 23,7 Prozent gesenkt.
- Die Scope-2-Emissionen gingen innerhalb eines Jahres um 33,4 Prozent zurück.
- Der Strombezug aus dem Netz wurde seit 2021 um 52 Prozent reduziert.
- Seit 2024 ist eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 500 kWp in Betrieb.
- Der Eigenversorgungsgrad mit Strom liegt inzwischen bei bis zu 38 Prozent und soll bis 2030 auf 70 Prozent steigen.
- Allein im Jahr 2025 konnten rund 200.000 Euro eingespart werden.
Damit hat RAU das eigene Energieziel für 2030 bereits übertroffen. Der Energieverbrauch pro produzierter Einheit liegt bei 17,08 kWh. Das ursprünglich für 2030 gesetzte Ziel lag bei 20,13 kWh.
Nachhaltigkeit stärkt die Widerstandsfähigkeit
Für Jannik Rau sind Nachhaltigkeitsdaten kein Selbstzweck und keine reine Berichtspflicht. Sie bilden die Grundlage für bessere Entscheidungen und helfen dabei, Abhängigkeiten und Risiken frühzeitig zu erkennen.
„Unser Risikomanagement hat sich verbessert. Wir wollen nicht davon abhängig sein, dass eine Pipeline angebohrt wird oder die Straße von Hormus zu ist“, sagt Jannik Rau im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Die Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien wirken sich auch wirtschaftlich aus. Neben den Einsparungen bei den Energiekosten konnten durch den Nachhaltigkeitsbericht bessere Finanzierungskonditionen erzielt werden. Die Investitionen in die Photovoltaikanlage rechnen sich nach aktueller Planung innerhalb von 5,5 Jahren.
RAU verfolgt dabei eine langfristige Strategie: Die Scope-1- und Scope-2-Emissionen sollen bis 2030 um 56 Prozent reduziert werden. Bis 2040 strebt das Unternehmen Klimaneutralität an.
Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Im Zusammenhang mit der Veranstaltung wurde Jannik Rau außerdem für einen Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung interviewt. Der Artikel „Nachhaltigkeitsdaten als Steuerungsinstrument“ zeigt anhand mehrerer Unternehmensbeispiele, wie Nachhaltigkeitsmanagement zu konkreten wirtschaftlichen Vorteilen führen kann.
Jannik Rau erläutert darin den Weg von RAU – von der Reaktion auf stark gestiegene Energiepreise über die Einführung einer digitalen Verbrauchserfassung bis hin zur Anpassung von Produktions- und Logistikprozessen.
Der vollständige Beitrag von Philipp Krohn ist am 15. September 2026 in der FAZ erschienen: Nachhaltigkeitsdaten als Steuerungsinstrument.
Für RAU steht fest: Nachhaltigkeit wird dann wirksam, wenn aus Daten konkrete Maßnahmen entstehen.
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